Die Diagnostik in der TCM - eine besondere Sicht auf den kranken Menschen
Für uns im Westen sehr ungewöhnliche Untersuchungsmethoden kommen in der chinesischen Medizin zur Anwendung. Sind wir es doch in der modernen westlichen Medizin, bestenfalls gewohnt kurz befragt und danach vor allem mit aufwändigen und sehr kostspieligen Methoden untersucht zu werden. Oder es werden unsere "Körpersäfte" wie Blut, Urin etc. untersucht- und daraus erhofft man sich dann Rückschlüsse auf den gesamten Organismus, bzw. einige Organfunktionen.
In der chinesischen Medizin (TCM) ist vor allem Ihr BEFINDEN wichtig, weniger die BEFUNDE! Die Diagnostik hat zum Ziel die gesundheitliche Störung als Ganzes zu erfassen, im Kontext der gesamten "Begleitmusik" Ihres Lebens: Warum sind Sie an dieser Stelle aus dem Gleichgewicht geraten, warum sind bei Ihnen ausgerechnet diese Beschwerden aufgetreten?
Um dies herauszufinden bedient sich die chinesische Medizin verschiedener Methoden:
Laboruntersuchungen in der TCM-Praxis - warum?
Es gibt viele Wege die Ursachen und Anzeichen von Krankheiten oder auch einfach nur gesundheitlichen Störungen zu erkennen. Aus der TCM-Behandlung in unserer Praxis kennen Sie die inzwischen gewohnte Zungen- und Pulsdiagnose. Die TCM-Diagnostik umfasst eben u.a. Hören, Sehen und Fühlen. Sehr genau können so Funktionsstörungen im Organismus, energetische Dysbalancen u.v.a. festgestellt werden. In der modernen westlichen Medizin werden häufig Blutuntersuchungen herangezogen, um Belastungen z.B. der inneren Organe zu erkennen. Und darum geht es uns: Ihre Sicherheit ist wichtigstes Anliegen! Gerade die Anwendung von chinesischen Heilkräutern nimmt einen grossen Raum in der TCM ein. Es handelt sich dabei um natürliche Arzneimittel mit einer ausgeprägten Wirkung. Die Wirkstoffe müssen vor allem über die Leber verarbeitet und über die Nieren wieder ausgeschieden werden. Wir kontrollieren daher am Anfang einer Kräutertherapie und im Verlauf alle 8 Wochen die Laborwerte für Leber und Nieren, um sicher zu gehen, daß die Kräuter gut verarbeitet werden und Ihr Organismus damit gut zurechtkommt. So können wir auch auf Belastungen oder gar Schädigungen der Leber reagieren.
Therapiekontrolle
Bei manchen gesundheitlichen Störungen müssen wir uns an Blut-Messwerten orientieren, um einen Therapieerfolg nachzuweisen. Das betrifft vor allem Krankheiten, die auch über Laborwerte – und nicht nur über klassische Symptome- diagnostiziert wurden. Die Relevanz dieser Werte ist nicht selten sehr umstritten, wie z.B. bei Vit. D oder beim PSA-Wert. Dennoch bieten wir die Option zur Kontrolle in unserer Praxis an. Eindeutig sind die Werte hingegen beim HCG, das eine Schwangerschaft belegt. Wir haben aber auch viele PatientInnen mit Schilddrüsen-Problemen wie Hashimoto, Basedow oder/und Schilddrüsen-Unterfunktion. Eine häufigere Laborkontrolle ist da sinnvoll, um die überflüssige Einnahme von möglicherweise schädlichen Schilddrüsen-Hormonen zu vermeiden.
Was bedeuten die einzelnen Werte?
Hämoglobin – ist der rote Farbstoff der Blutkörperchen. Ein Hämoglobinwert zwischen 14 – 18 g/dl gilt bei Männern als normaler Hb-Wert. Frauen sollten einen Blut-Hb-Wert von 12 – 16 g/dl aufweisen. Veränderungen gibt es z.B. bei Blut-/Eisenmangel und bei chronischen Erkrankungen
Erythrozyten – sind die roten Blutzellen, sie transportieren den Sauerstoff. Ihre Zahl verringert sich z.B. bei Blutungen, Vitaminmangel und Bluterkrankungen. Normal ist ein Wert von 4,3- 5,9 Mio.
Harnstoff – ist ein Abbau-Produkt der Eiweiß-Verdauung. Veränderungen sagen etwas aus über die Eiweiß-Zufuhr mit der Nahrung, ihre Verstoffwechselung in der Leber und die Funktion der Nieren. Der Normalwert liegt je nach Messmethode bei 10-50 mg/dl
Kreatinin – ist ein Abbauprodukt der Muskulatur, das über die Nieren ausgeschieden werden muss. Gebildet wird es in Leber und Nieren. Der Wert steigt an bei einer Einschränkung der Nierenfunktion, z.B. auch durch Diabetes, Bluthochdruck oder unzureichender Trinkmenge. Der Normalwert ist alters- und geschlechtsabhängig, er kann zwischen 0,5 (Kleinkinder) bis 1,44 (Männer > 50) liegen.
Eiweiße – machen fast 20% der Körpermasse aus. Sie gewährleisten vielfältigste elementare Funktionen und müssen im wesentlichen über die Nahrung aufgenommen werden. Der Tagesbedarf beträgt ca. 1g pro kg Körpergewicht. Der Normalwert ist 6,6-8,3 g/dl
GPT – ist ein Enzym aus der Leber, sein Anstieg weist auf eine Leberschädigung hin, weil dann diese Stoffe ins Blut gelangen. Die GPT ist für uns der wichtigste Parameter zur Einschätzung der Leberbelastung. Die Werte sollten 35-50 U/L nicht übersteigen
Alkalische Phosphatase – sind Enzyme, die bei Störungen von Leber und Gallenblase und bei der Aktivität des Knochenstoffwechsels im Blut (Wachstum!) ansteigen. Bei Erwachsenen sollte er nicht über 120 U/l liegen.
Schilddrüsenwerte
TSH- der TSH-Wert zeigt an, wie stark die Schilddrüse von der Hirnanhangsdrüse (Hypophyse) stimuliert werden muss. Sehr häufig führt der medikamentöse Ersatz der Schilddrüsen-Funktion mit dem Hormon Thyroxin zu einem sehr niedrigen TSH-Wert. Er darf eigentlich bis 5,45 mU/l ansteigen, in den USA gelten sogar noch weit höhere Grenzwerte. Je nach Messmethode gibt es da auch etwas abweichende Normalwerte…Im Verlauf einer TCM-Behandlung der Schilddrüse bei Hashimoto oder/und Schilddrüsen-Unterfunktion ist das Ziel diesen Wert und den fT4-Wert (s.u.) mit Kräutern, Akupunktur und Veränderung der Lebensweise zu normalisieren. Aus diesem Grund wird der Wert alle 4 Wochen kontrolliert
ffT4 – ist das biologisch wirksame Thyroxin und ist bei uns normal zwischen 0,5 und 1,4 ng/dl. Der Wert zeigt an, daß ausreichend von diesem Hormon bereitgestellt wird – entweder von der Schilddrüse selber oder über Tabletten. Thyroxin wird im Körper zum eigentlich aktiven fT3 umgewandelt. Als Ergebnis sollte der Stoffwechsel gut sein!
Hier einige Interpretationsmöglichkeiten der Schilddrüsen-Laborwerte:
- fT4 ↑ und TSH↓
o Hyperthyreose (Schilddrüsenüberfunktion, auch durch zu hohe Thyroxin-Einnahme)
- fT4 ↓ und TSH ↑
o Hypothyreose (Schilddrüsenunterfunktion)
- fT4 ↑, TSH normal (euthyreote Hyperthyroxinämie)
o Erhöhung des Thyroxin-bindenden Proteins (TBG) oder von Transthyretin (TTR, Thyroxin bindendes Präalbumin, TBPA)
o L-Thyroxin-Substitutionstherapie
o Hoch dosiertes Propranolol (Betablocker)
- fT4 ↓ und TSH normal
o Häufig bei schweren Allgemeinerkrankungen (Non-tyroid-illness = NTI)
o Euthyreote Stoffwechsellage (Schilddrüsenfunktion ist normal ) → keine Substitution erforderlich!
- fT4 ↓ und TSH normal oder ↓
o Hypophysäre, sekundäre Hypothyreose (sehr selten)
Grundsätzlich kommt es uns darauf an, daß diese Laboruntersuchungen gemacht werden. Es ist auch möglich, daß Ihr Hausarzt bei Ihnen das Blut untersuchen läßt, es sollte aber in jedem Fall zeitnah zur TCM-Behandlung erfolgen. Nicht selten müssen Sie aber mit Ihrem Hausarzt erst in Verhandlungen treten, ob er die Untersuchung unter wirtschaftlichen Aspekten überhaupt machen will…..
Kosten
Bei uns in der Praxis müssen Sie für die Kosten privat aufkommen, die PKV und die Beihilfe beteiligen sich jedoch daran, zumal wir uns im Rahmen der üblichen GOÄ-Sätze bewegen.